BzR

Mammon und Erkenntisse

Seine EC-Karte zu verlieren ist an sich ja schon ein uncleverer Schachzug. Insbesondere, wenn man bedenkt, dass man im Vorfeld bereits so klug war, sich eine Bank zu suchen, die in Berlin genau drei Filialen hat - sind wir mal großzügig, und gehen davon aus, Spandau gehört dazu.
Das ist nicht mal ganz eine Filiale / 1 Mio Einwohner.

Das bedeutet, bei Bargeldmangel steht eine kleine Weltreise bevor. Und eine Weltreise soll ja schon etwas Besonderes sein. Das hebt man sich auf, das spart man sich an, das macht man nicht einfach so jeden Tag.
Schon gar nicht mit der BVG.

Nachdem ich jede Demütigung meiner geldknappen Schuljahre wieder aufleben ließ, Geld leihen von Mitbewohnern und Freunden, 10 Cent-Stücke zusammenkratzen für ne Currywurst oder ne Minipizza, bis hin zum heimlichen Leergut-Zurückbringen des WG-internen Flaschenlagers (mein bisheriger Tiefpunkt), kam heute endlich der ersehnte Brief von meiner Bank: Ich habe eine neue EC-Karte. Und eine neue PIN. Nur dummerweise kenne ich diese neue PIN nicht. Die kommt separat "in einigen Tagen" per Post. Wird ein lustiges Wochenende. Ich besitze noch ganze 40 Cent in Bar.

Wenigstens hat mir diese Zeit einiges an Selbsterkenntnissen gebracht:

1. Ich kann immer noch überhaupt nicht mit Geld umgehen. Was für eine Woche reichen sollte, war nach drei Tagen weg. "Ach, jetzt erst mal ne schöne Currywurst, achne, wir haben ja grad Geld. Gehn wir zum Chinesen. Gebratene Nudeln? Och ne, lass uns mal die Ente probieren, grad noch ein paar Flaschen Bier dazu und ein paar Frühlingsrollen?"

2. Ich laufe lieber als schwarz zu fahren. Seestraße zur Friedrichstraße? Kein Problem. Das sind ja höchstens fünf oder sechs Kilometer.

3. Vor die harte Entweder-Oder-Entscheidung gestellt, musste ich mir eingestehen: Ein gesundheitsgefärdendes Laster braucht der Mensch. Ich kann auf Bier, Zigarillos oder Schoki problemlos verzichten, solange da ein 'oder' steht und kein 'und'.
Schoki oder Zigarillos, eines von beiden brauche ich für meine seelisches Gleichgewicht. Aber was soll ich machen, wenn im Sommer die Schoki immer so schnell schmilzt? Eben. Dafür wird mich im Berliner Winter der derzeit so willkommene Wind sicher nicht verleiten, einen Zigarillo rauchend einen Nachtspaziergang um den Block zu machen.

Werbung


was it my first love?

Mein Cousinchen aus Kreuzberg war gerade da, und hat mir meine Babys wieder gebracht. Wie habe ich Euch vermisst, geliebte Silberscheiben. Ich musste teilweise schon fremdhören. Sogar ... ich traus mich gar nicht zu sagen... R R Radio...
(Gut, es war laut.fm, aber trotzdem)

Jetzt bin ich also wieder glücklich mit meinen Tonträgern vereint, und stehe vor dem Problem: Wohin mit den drei Koffern voll Musik in meinen doch eher spartanischen 10 Quadratmetern? Mein Mitbewohner hat bereits angedeutet, dass das auf dem Gang da keinesfalls eine Endlösng sein kann...

Aber alles wird gut, denn ich hab Euch wieder! Niemals mehr werde ich Euch soooo lange alleine lassen, das schwöre ich!

Moment, ich seh mal eben im Lager nach.

Verdammich. Irgendwie hat der Postbote beschlossen, unsere WG als hausinternes Postlagerzentrum zu benutzen. Warum weiss ich nicht, vielleicht weil offenbar immer jemand da ist.

Hier türmen sich mittlerweile drei große Pakete und zwei Päckchen. Und gestern wurde schon eines abgeholt.

Ich hab so das Gefühl, der klingelt erst gar nicht mehr bei den anderen, sondern bringt seine Fuhre direkt zu uns ins Lager. Naja, wenigstens bekommen wir unsere eigene Post auf diese Weise jetzt sofort. Früher war dieses komische Ehepaar im ersten Stock seine Anlaufstelle, und selbst, wenn ich den ganzen Tag zuhause gewesen war, fand ich am Abend diesen blauen Abholzettel im Briefkasten.

Was die wohl getan haben, um in Ungnade gefallen zu sein? Die wirken immer so gewissenhaft deutsch. Vielleicht haben sie die Frechheit besessen, einfach unangemeldet in Urlaub zu fahren oder so...
(Muss sie bei Gelegenheit mal fragen, wie man aus diesem ungewollten Vertrag wieder rauskommt).

Da steht unseren Nachbarn auch eine Überraschung ins Haus. Das Postlagerzentrum Seestraße bleibt übers Wochenende geschlossen. Eine Mitbewohnerin auf Deutschlanstour, ein Mitbewohner auf Heimaturlaub, der dritte Mitbewohner kommt Wochenends für gewöhnlich eh nicht nach hause, sondern vögelt sich durch, und ich fahre jetzt zur Grillparty meines Kurses, und werde kaum vor Morgen mittag heimkommen.

Sommerloch, oder der Ruf des Konservativismus

Stoiber fordert eine Verschärfung des Blasphemie-Paragrafen, so solle seiner Meinung nach Gotteslästerung auch ohne Gefärdung des öffentlichen Friedens mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft werden können.

Versucht hier jemand Punkte bei den Stammwählern zu machen, weil die Mainstream-Union zu weit in die Mitte driftet, oder ist das eine Art Automatismus bei der CSU?

Naja, sie haben sich damit ja in regelmäßiger Häufigkeit lächerlich gemacht, ich hoffe, dieser Vorstoß landet auch da, wo die vorherigen gelandet sind, und wo er hingehört: Auf dem Sondermüllhaufen der Geschichte.

www.sueddeutsche.de

Schön ist der Bezug zu den Mohammed-Karrikaturen, denn da offenbart die CSU ihre idologische Nähe zu sogenannten "Gottesstaaten", und Islam-Fundamentalisten die sonst von gleicher Seite gerne mal als Sündenböcke für massive Eingriffe in die persönlichen Freiheiten der Bürger und als beliebtes Feindbild herhalten müssen.

Aber, wo sich der Herr Stoiber grad für eine Annäherung zwischen den Religionen und eine generelle Rücksichtnahme auf die Befindlichkeiten fremder Kulturen stark macht, wird er sicher demnächst mit gutem Beispiel voran gehen, und auf Starkbieranstich, Aschermittwochsbesäufnis und Schweinshaxn verzichten.

Schön, Edi, dös host gut gmacht!